Nur ein Irrtum?

      Nur ein Irrtum?

      Nur ein Irrtum?

      Ooh ja, und dazu noch ein ganz gewaltiger! Sie beendete am 31.8.2018 den 3. Teil ihres Berichtest über: Ihr letztes Abenteuer. Sie glaubte, nun ist alles in Ordnung. Sie durfte und hat ihre Penthaus Wohnung, die über 40 Jahre ihr zu Hause war mit all ihren Lieben, und den Erinnerungen etc. bis auf Kleinigkeiten selbst aufgelöst. Alles aus Freud und Leid zog noch einmal vorüber im Heute, verstehend, Kopf schüttelnd, interessant und Kräfte zehrend zugleich. Zu einem Abschiedsabend lud sie ihre Kinder und ihren Bruder mit Frau damals in den China-Garden ein zu einigen besinnlich heiteren Stunden. Vier Tage später wurde sie abgeholt vom Doktor Sohn in die ländliche Umgebung, wo zu ebener Erde ein kleiner hübscher Wohnbereich auf sie wartete.
      Sie war frei, frei von was?
      Von Verantwortung für sich selbst und dem Leben gegenüber? Welch` Ironie, blankes Wunschdenken, wie konnte ihr das nur passieren. Sie wollte eigentlich nur einmal etwas umsorgt werden, wie sie es getan hat ohne Gegenleistung zu erwarten. Eine gegebene Unmöglichkeit!
      Oma, wo ist es schöner, hier bei uns, wo du jetzt wohnst oder war es besser in der alten Wohnung?"
      Diese Frage tauchte auf wie der Blitz aus heiterem Himmel. Ihr 13jähriger Enkel saß ihr im China Restaurant gegenüber, wohin ihr Sohn zur Adventzeit alle 9 Personen der Familie zu einem gemeinsamen Essen geladen hatte. Es war eine richtig schöne Runde. Ein Kartenspiel verkürzte die Wartezeit der Jungen von der Bestellung bis zum fertigen Essen. Ihr Sohn, der neben dem Enkel saß, blickte auf. Ja, was nun? Diese Frage hat sie total überrascht, aber eine Antwort wurde erwartet, dass merkte sie. Da half nichts wie Ehrlichkeit. So erklärte sie ihrem Enkelsohn, dass sie hier keinen Vergleich treffen kann. Beide Wohnungen, beide Orte sind schön aber in der Art zu unterschiedlich. So gestaltet sich auch das Leben, den gegebenen Bedingungen muss man sich gewissermaßen anpassen.
      Sie ahnte noch nicht, wie recht sie hatte. Jedes Ende birgt einen Neuanfang in sich. Sie sitzt und grübelt, so wie es ihr Art ist. Aufarbeiten was unstimmig, beseitigen, sonst lässt es sich nicht atmen, empfindet sie so wie immer. Dabei war sie doch beim Auf -und Umbau (Scheune) ihren damaligen Kräften entsprechend gerne mit dabei. Was hat ihr großer Sohn alles geleistet und das heute noch, als Arzt damals, weiterbildend als Internist. Es ist sein Beruf. Seine Zeit ist knapp bemessen, dazu die zusätzlichen Dienste.
      Kurz vor Ostern wurde ein süßes Mädchen geboren zu den drei Brüdern. Wahrlich eine große Familie. Die Lebensform hier ist die einer WG. Modern, alles offen, mit dem sicher gewöhnungsbedürftigen „Wenn und Aber“ - ein Problem für sie. Mitte der 80ziger Lebensjahre fühlt sie sich zu alt dazu. Sie schafft es nicht schon allein vom Körperlichen her der so ab und zu streikt. Den Begriff „WG“ kannte sie zwar von der Theorie her, aber das war es auch schon. So erlebte sie die Praxis unvoreingenommen. Im Rückblick: „Mutter hast du meine Wäsche aus der Maschine raus, das Seifenpulver einfach rausgekehrt und deine Socken rein zum Waschen? Nun habe ich 50 Paar schwarze Socken gewaschen, anstatt meiner Wäsche", rief ihr Sohn sie sehr verärgert am Handy an. Sie war erst mal verblüfft, erstaunt ob dieser Anfrage und empfand dies als Zumutung und fast ein wenig unverschämt. Gegenfrage: „Wie kommst du denn auf so etwas. Meine Waschmaschine steht hier bei meinen Elektro Geräten das weißt du doch", so ihre Antwort. Der „Sünder" war der 30jährige Mitbewohner im Anwesen ihres Sohnes, ihr großer Enkel. Er hatte seine Socken in der Maschine tatsächlich vergessen und das Ungemach verursacht. „ So wird das gemacht Oma, zwar ist das etwas rau aber nun ist es aufgeklärt. Wir leben hier in einer Männer-WG". Er hatte seine 3 jüngeren Buben mit einbezogen.
      Beeindruckt und erstaunt hörte sie ein andermal ihren geliebten Sohn sagen: „Was mein ist, ist auch dein", natürlich auch im umgedrehten Sinne. Fakt war: Er hatte sich aus ihrem „Sonnenplatz“, wo sie ihre besondere Sitzgelegenheit, dazu den kleinen Tisch und eine Fußbank stehen hatte, den zusammen klappbaren weißen schönen Stuhl geholt für seine Frau. Um die Ecke am Grillplatz standen die seinen. Er baute an der Hebebühne, er ist ein wunderbarer Bastler mit Ideen und Geschick. Seine Frau sah zu. Ja, nun kam sie aber mit ihrem Gehstock und dem Buch unter dem Arm um auch die Sonne zu genießen. Ihr Stuhl stand nicht mehr am "genehmigten" Ort. Aber das Übel ist, sie kann ihn nicht mehr tragen und aufstellen betreffs Behinderung. Solche Bagatellen. Man könnte sich sonst wohin beißen, dachte sie. Also ganz sachlich ausgedrückt: hier beginnt ein neues Abenteuer für sie.

      Unterdessen nach einigen Monaten Probe ist sie der Meinung, dass sie WG untauglich und in diese Lebensform nicht integrierbar ist. Zum Glück ist ihr Sohn derselben Meinung geworden. Also lebt sie in ihrem Wohnbereich nach alt bewährtem Schema, mit Selbstversorgung und abschließbarer Wohnungseingangstür, wenn sie unterwegs ist. Unterdessen ist es Frühling, wenn gleich ein sehr Kühler im Moment. Die Eisheiligen sind vorbei. Die Hoffnung auf Sonne, auf Wärme steigt. Die verschiedensten Vogelstimmen am frühen Morgen vereinigen sich zu einem einmaligen Konzert, dem sie mit Freude lauscht.
      Monatlich einmal kommt ihr zweiter Sohn, nennen wir ihn Steven, zu ihr gefahren. Er war der Mittlere ihrer Kinder und musste das Meiste an allen Anfallenden im Alltag mittragen. Die kleine Schwester musste am Morgen mit zum Kindergarten, später zur Schule von ihm mitgenommen werden, wobei er so manche Hilfestellung noch geben musste. Der Vater verstarb bereits mit 41 Jahren und sie tat Dienst in der Kinder-Neuropsychiatrie, Vollzeit Beschäftigung. Nun übernahm er für sie das Anfallende, was sie nicht mehr allein stemmen kann mit ausgestellter Vollmacht. Es lässt sich letztendlich alles regeln, zur Zufriedenheit aller. Im Moment arbeitet sie an einer vernünftigen und richtigen Einstellung ihrer neuen Hörgeräte mit dem Akustiker im Probelauf. Ein Rollator steht schon vor der Türe, aber davon später.